Die Bergts in Reichenbrand – ein Vermächtnis

Im Ortsteil Chemnitz-Reichenbrand wurde 1874 durch Karl-Friedrich Hofmann die Brauerei erbaut. Oswald Bergt, der diese 1895 übernahm, verstand die Kunst des Brauens wie kein Anderer und gab seine Erfahrung den nachfolgenden Generationen weiter. Unsere Brauerei in Reichenbrand kann über Oswald Bergt, dessen Söhne Max und Rudolph, seinen Enkel Joachim sowie wiederum dessen Sohn Matthias auf eine lange Familientradition zurückblicken. Heute, in der 5. Generation nehme nun ich, Michael Bergt Einfluss auf die Geschicke der Brauerei. Nach erfolgreicher Lehre zum Brauer und Mälzer in Dresden und anschließendem Studium zum Braumeister in Gräfelfing, bin ich seit 2005 als damals jüngster Braumeister Sachsens im Familienunternehmen tätig.

Mit der Weiterführung der Brauerei nach alter Familien-Tradition der Familie Bergt erfülle ich mit Stolz den Lebenstraum meines mittlerweile verstorbenen Großvaters Joachim Bergt.

1874

Die Brauerei im Ortsteil Chemnitz-Reichenbrand wurde 1874 durch Karl-Friedrich Hofmann erbaut. Dieser konnte jedoch aufgrund Absatzmangels sein “Selbstgebrautes” nur an Sonn- und Feiertagen ausschenken. Nach dessen Konkurs 1895 übernahm Oswald Bergt – der Ururgroßvater des heutigen Geschäftsführers Michael Bergt – die Brauerei und führte sie über die Jahrhundertwende.

 

Oswald Bergt – im Bild rechts

1904

In der „Brauerei Oswald Bergt Reichenbrand“ wurde um 1900 traditionsgemäß ein relativ dunkles Bier gebraut, das eigene Brunnenwasser gab ihm schon damals einen unverwechselbaren Geschmack. Über die Jahrhundertwende bis zum ersten Weltkrieg konnte eine Jahresproduktion von 2.000 Hektolitern gehalten werden. Die Kriegswirren und die Nachkriegszeit waren für die Bergt’s harte Jahre.

 

Obergefreiter Max Bergt, stationiert in Metz 1904

1908

Dennoch behielten Oswald Bergt und seine Söhne Max und Rudolph einen kühlen Kopf und unternehmerisches Geschick. Das schon damals süffige Bier mit Qualitätsniveau war bei den Chemnitzern beliebt. Absatz gab es zu jeder Zeit, trotz Inflation und Arbeitslosigkeit. Die Aufnahme zeigt Max Bergt mit seinen „Lieblingen“, den Brauerei-Pferden. Nach Überlieferung kannten diese den Heimweg und brachten die gelegentlich selbst betrunkenen „Bierkutscher“ stets sicher zurück in die Brauerei.

 

Max Bergt (vorn, mitte), neue Pferde 1908

1924

Im Jahr 1924 beging die Brauerei ihr erstes großes Jubiläum. Der 1. Weltkrieg war überstanden und die Geschäfte florierten. Mehr und mehr übernahm Max Bergt die Führung der Brauerei. Auf diesen Zeitraum dürfte auch die Einführung der Bezeichnung „Brauerei Bergt Reichenbrand“ zurückgehen. Das Bier aus dem Hause Reichenbrand wurde regional und auch überregional erfolgreich als „Bergt Bräu“ vermarktet.

 

50-Jahrfeier, Brauhof Zwickauer Straße, 1924

1935

In den Jahren vor dem 2. Weltkrieg konnte die Brauerei ihren Platz in der Gunst der Chemnitzer weiter ausbauen. Zahlreiche Schankwirtschaften und Händler konnten hinzugewonnen werden. Die Brauerei selbst wurde weiter ausgebaut, Kapazitäten erhöht und die Bekanntheit des beliebten „Bergt Bräu“ konnte gesteigert werden.

 

Brauerei Bergt, Zwickauer Straße, ca. 1935

1955

Mit dem „Bergt-Laster“ ging es in den 1950er Jahren werbewirksam durch die Stadt Chemnitz. Die Aufnahme zeigt die Auslieferung von Fässern für die Gasthäuser, gefüllt mit frischem „Bergt Bräu“. Bis zu 30 Fässer á 100 Liter konnten in einer Fuhre mit dem „Bergt Bräu“-LKW transportiert werden.

 

Bergt LKW, Zwickauer Straße, 1955

1962

Der abgebildete „Bergt Bräu-Biertank“ war zu seiner Zeit das Beste in Sachen Lagerung und Kühlung. Schon damals wurden die Biere lange und kühl gelagert und erhielten damit die hohe Qualität. Zudem ist die Brauerei die einzige Brauerei in und um Chemnitz, in der das traditionelle Brauverfahren „offene Gärung“ angewandt wird. Die Vorteile der offenen Gärung (klassischer Gärprozess) ist das Austreiben von unerwünschten Aromastoffen und die Möglichkeit, die von der Hefe nach oben geförderten Hopfenharze abzuschöpfen.

 

Bergt Bräu-Tank, 1962

1964

Die sechziger Jahre waren geprägt von immer weiter um sich greifender sozialistischer Planwirtschaft. Privaten Unternehmen, wie der Brauerei Bergt wurde es immer schwerer gemacht, aus eigener Kraft zu bestehen. Mangelwirtschaft mit Problemen in jedem Bereich von der Produktion bis zur Instandhaltung prägte das Tagesgeschäft. Für die dringend erforderliche Modernisierung der Brauerei mussten Kredite aufgenommen werden, welche es nur mit staatlicher Beteiligung gab.

 

Brauerei Bergt, Zwickauer Straße, 1964

1966

Nach einer umfangreichen Modernisierung des Flaschenkellers konnte dennoch ein Jahresausstoß an Flaschenbier von 40.000 Hektolitern erreicht werden. Die Produktion von Fassbier wurde jedoch gänzlich eingestellt. Aber die Freude über das Erreichte währte nicht lang. Joachim Bergt ahnte bereits, dass die staatliche Beteiligung nur eine Gnadenfrist bedeutete.

 

Einbau der Flaschen-Waschanlage, Zwickauer Straße, 1966

1972

Und schon bald war es soweit: Am 10.04.1972 – quasi über Nacht – musste das bislang familiär geleitete Privatunternehmen “freiwillig” an den Staat verkauft werden. Für die „Brauerei Bergt“ war es das vorläufige „Aus“. Auch Joachim Bergt – der inzwischen Geschäftsführer war, wurde das Gefühl nicht los, verloren zu haben. Es folgte die Zwangsumbenennung der Brauerei in: „Brauerei Reichenbrand“. Diese war fortan als selbstständiger Betrieb dem Wirtschaftsrat des Bezirkes Karl-Marx-Stadt unterstellt und ab 01.01.1980 dem in Chemnitz ansässigen Getränkekombinat – Stammbetrieb „Braustolz” – als Produktionsstätte zugeordnet. Joachim Bergt war in „seinem” Betrieb weiterhin als Produktionsstättenleiter angestellt, und konnte somit – wenn auch im kleinen Rahmen – auf die Qualität der Produkte Einfluss nehmen.

 

Joachim Bergt – Geschäftsführer von 1956 bis 2016

1989

Mit den ersten Demos 1989 in der Innenstadt von – nun wieder – Chemnitz sah Joachim Bergt eine berechtigte Hoffnung, die Brauerei in sein Eigentum zurückzuführen. So stellten sich Joachim Bergt und sein Sohn Matthias einer großen Herausforderung. Als einer der ersten Betriebe in Chemnitz konnten sie mit der Reprivatisierung am 1.4.1990 die Brauerei wieder ihr Eigen nennen und zögerten nicht lang, die neugegründete KG – wenn auch in kleinen Schritten – nach und nach auf wettbewerbstaugliches Niveau zu bringen. 1991 wurde die Produktion von Fassbier nach mehr als 20 Jahren wieder aufgenommen.

 

Matthias Bergt im Sudhaus, 1994

2021

Zurzeit sehen wir uns unerklärlichen Angriffen auf unser Familienunternehmen in 5. Generation ausgesetzt. Aufgrund eines aktuell laufenden Markenrechtsstreits, ausgehend von der Berg Brauerei Ehingen, dürfen wir momentan unser Bier nicht als “Bergt Bräu” oder “Bergt Bier” vermarkten. Auf unserer brau-prozess.de möchten wir alle treuen Kunden und Fans unserer Brauerei über den Fortgang der Entwicklung informieren. Gleichzeitig erhaltet ihr alle vier Sorten der neuen 0,33 L Flaschen als [BRAU]-PROZESS-Edition in unserem Brauereiwerksverkauf und in unserem Online-Shop. Gemeinsam hoffen wir auf eine baldige Beilegung des Konflikts und auf die Möglichkeit, unser Bier wieder wie früher unter unserem Familiennamen „Bergt“ anbieten zu können.